Mehr Arbeitslose, mehr Überstunden

ÖGB-Achitz: Überstunden anordnen soll sich nicht mehr auszahlen

"Auf der einen Seite sind 381.582 Menschen ohne Arbeit, und auf der anderen Seite verlangen Österreichs Arbeitgeber immer mehr Überstunden, ohne sie zu bezahlen", kritisiert Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB: "Ganz offensichtlich muss die vorhandene Arbeit gerechter verteilt werden." Ende November 2013 waren um 10,8 Prozent mehr Menschen arbeitslos oder in Schulung als ein Jahr zuvor, und gleichzeitig wurde bekannt, dass im Jahr 2012 insgesamt 68 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet wurden. Achitz: "Die Arbeitszeit muss besser kontrolliert werden, damit die ArbeitnehmerInnen nicht um ihr Entgelt geprellt werden. Und die Überstunden müssen für die Arbeitgeber teurer werden."

Laut aktueller Zahlen des WIFO wurden  im Vorjahr 68 Mio. unbezahlte Überstunden geleistet - das waren 1,2 Prozent des erbrachten Arbeitsvolumens. 5,6 Prozent  der unselbständig Beschäftigten in Österreich erbrachten 2012 unbezahlte Überstunden. "Dieser  Form der Ausbeutung muss ein Ende gesetzt werden, unter anderem durch verstärkte Kontrollen der vorgeschriebenen Arbeitszeitaufzeichnungen durch das Arbeitsinspektorat", fordert Achitz.

Doppelter Anspruch, wenn Arbeitgeber Überstunden nicht bezahlen

Wenn Arbeitgeber geleistete Überstunden nicht bezahlen, dann sollen sich die Ansprüche der ArbeitnehmerInnen verdoppeln. "Derzeit zahlt es sich aus, Überstunden zu unterschlagen. Das Risiko ist gering, denn kaum eine Arbeitnehmerin und kaum ein Arbeitnehmer geht vor Gericht, und wenn, dann zahlen die Chefs eben nach, was sie ohnehin zu bezahlen hätten. Bei Verdoppelung der Ansprüche der ArbeitnehmerInnen würde sich das nicht mehr auszahlen."

Alle ArbeitnehmerInnen müssen ihre Normalarbeitszeit kennen

Ein Problem ist, dass ArbeitnehmerInnen in vielen Fällen gar nicht wissen, ab wann sie Überstunden machen - weil sie nämlich All-in-Klauseln in ihren Arbeitsverträgen haben. Der ÖGB fordert, dass All-in-Klauseln nur mehr für leitende Angestellte erlaubt sind, "und im Vertrag muss das für die Normalarbeitszeit zustehende Grundgehalt ersichtlich sein", sagt Achitz.

Überstunden anordnen soll sich nicht mehr auszahlen

Damit die vorhandene Arbeit unter mehr Menschen verteilt werden kann, fordert der ÖGB, dass weniger Überstunden angeordnet werden. "Das geht am besten, indem man sie teurer macht", sagt Achitz. Der ÖGB fordert eine Überstundenabgabe in Höhe von einem Euro pro Stunde. Die Einnahmen sollen je zur Hälfte in Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik fließen.